Joseph Hubertus Pilates  *09.12.1883   +09.10.1967

 

Als der kleine Joseph Hubertus Pilates 1883 in Mönchengladbach als zweitältestes von 9 Kindern geboren wurde, waren seine Prognosen zu seiner Lebenserwartung und -qualität negativ und gering.

Die zu damaliger Zeit kritischen Erkrankungen wie Asthma, Rachitis, rheumatisches Fieber, Gelenkdeformierungen die die Organe quetschen etc. prophezeiten ihm und seinen Eltern ein nicht nur kurzes, sondern durch viele negative genetische Veranlagungen von Krankheiten und Schmerzen gequältes Dasein. Dennoch führte ihn seine Freude an Bewegung schon früh zu einem besonderen Körperbewusstsein.    

Mit einer fast unstillbaren Neugier auf Bewegungslehre und das Leben verschlang er alles, was er über Turnen, Gymnastik, Bodybuilding, Skifahren, Yoga und Mediation in Erfahrung bringen konnte. Durch seine ruhige, freundliche, zurückhaltende aber kontinuierliche Disziplin, sein Talent sich selbst zu organisieren, seine Bereitschaft, über den Tellerrand hinaus zu schauen, seine emotionale Stabilität und hohe Resilienz stellten sich schnell ungeahnte Erfolge ein, die selbst seine Eltern irritierten. 

Er überwand seine physischen Einschränkungen durch die Entwicklung eines eigenen Trainingsprogramms für Körper und Geist, das die individuelle Physiologie und Bewegungsmuster berücksichtigt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Qualität der Bewegungen, nicht auf der Quantität oder der Zahl der Wiederholungen.

Mit 29 Jahren machte er sich auch geographisch auf seinen persönlichen Weg auf nach England und verdient sein Geld als Boxer, Artist und Lehrmeister für Selbstverteidigung für die Beamten von Scotland Yard. Durch den ersten Weltkrieg interniert entwickelte er in Gefangenschaft sein persönliches ganzheitliches Körpertraining, dass er selbst anfangs "Controly" nannte.

Es ist überliefert, dass er seine Mitgefangenen unterrichtete, die die große Grippepandemie von 1918 auf Grund ihrer überdurchschnittlich guten körperlichen Konstitution wie durch ein Wunder überlebten. Sein Weg nach Kriegsende zurück nach Hamburg weckte nach einer Zeit den Wunsch, seine Trainingsmethode an den amerikanischen Hochburgen und Ausbildungsakademien des Tanzes zu lehren.

Als er 1926 nach New York auswanderte, lernte er auf der Überfahrt seine Frau Clara, eine Krankenschwester kennen, durch die ein sanfter rehabilitativer Einfluß auf die Weiterentwicklung seiner Trainingsmethode stattfand.

Joseph arbeitete höchst individuell und kreativ. Für jeden einzelnen Klienten erstellte er nach ausführlicher Anamnese ein eigenes Übungsprogramm und entwickelte häufig sogar neues Übungen für die entsprechende Person, wenn er während der Trainingseinheit feststellte, dass die ursprüngliche Überlegung nicht der Physiologie der trainierenden Person entsprach.

Pilates vertrat die Philosophie, dass, wenn man die Pilates Übungen regelmäßig macht, auch das Blut als direkte Folge davon mit neuen Energien fließt. Diese Übungen bringen den Herzmuskel dazu, kräftig und regelmäßig zu schlagen. Dadurch transportiert und entsorgt der Blutfluss Ihres Systems mehr von den durch Ermüdung angesammelten Abfallstoffe.

Nicht die optische Umsetzung von pauschalen Kräftigungsübungen war sein Credo, es galt, ein Gefühl für die individuelle Körperphysiologie und "persönliche Mitte" (das Powerhouse) auch im geistigen Sinne zu entwickeln um seine persönliche Vitalität und Balance zu finden und daraus zu agieren. Wenn wir aus unserer Mitte (physiologisch wie geistig) heraus agieren, bewegen wir uns in einem Kraftzentrum, dass mehr als nur positive Energien frei setzt. Die dabei entstehende Ästhetik erschließt und stellt sich bis heute bei dem ein, der sich auf das Training einlässt.

Joseph Pilates wollte kein Streben nach den bis heute oft oberflächlichen und durch Ungeduld forcierten schnellen aber kurzfristigen Erfolgen vermitteln, die uns auf kurz oder lang wieder in alte ungesunde Muster fallen lassen, da diese nicht unserer Individualität und Authenzität entsprechen. Vertrauen in uns selbst und die Geduld, den Wachstumsprozess als wichtigen Teil der Entwicklung anzunehmen und ggf. entsprechend zu korrigieren hat er versucht zu vermitteln. 

Bewegung - auch im geistigen Sinne - führt uns zu einem gesunden Leben und Lebensqualität, war sein Credo.

Er starb im Alter von 83 Jahren. Seine Frau Clara, sie galt als eine begnadete Ergänzung von Joseph und Lehrerin, unterrichte und führte das Studio weiter bis zu ihrem Tod zehn Jahre später.